Tuesday, 15 May 2012

Tigerprawns und Kakerlaken in der Coconut Bay

Das hier, also unten, ist Hari ("Are we in a hurry?" "Yes, my name is Hari"), Chef- und auch einziger Koch bzw. Betreiber des Sunset-Restaurants in der Coconut-Bay in Kerala/ Südindien. Den Kontakt hatte mir jemand, den ich unterwegs in Rajasthan kennengelernt hatte, vermittelt. Klang nach knusprigem Fisch unter Palmen mit Meeresrauschen und kühlen Getränken im Sonnenuntergang, also überaus verlockend. Zumal ich genau dieses Fleckchen Kerala von meinem Besuch vor 6 Jahren noch kannte und wusste, wie idyllisch es dort zugeht. Dementsprechend war ich äußerst dankbar, dass man es mir ermöglichen wollte, in so toller Umgebung die Geheimnisse der Südindischen Küche kennen zu lernen.

Ich hatte in meiner grenzenlosen Vorfreude allerdings außer acht gelassen, dass man hier in Indien einen Ausländer für gewöhnlich als Geschäftspartner betrachtet.

Und so stellte sich, nachdem ich unten angekommen war, heraus, dass umgekehrt Hari mir dankbar sein musste,da ich nicht nur seine einzige Küchenhilfe, sondern zugleich auch sein einziger Gast war und dies mehr oder weniger auch die ganze Woche über bleiben sollte. Wäre ja auch noch zu verschmerzen gewesen, schließlich wollte ich ja vorrangig Kochen und nicht neue Freunde kennen lernen. Erschwerend kam aber hinzu, dass
Haris Küche nicht nur deutschen Hygienestandards nicht entsprach, sondern auch indischen nicht, wobei ich lernen durfte, dass fließendes Wasser in einer Küche vollkommen überbewertet wird und Kakerlaken nicht umsonst auch Küchenschaben genannt werden. Wie dem auch sei, dies führte jedenfalls nach Tag 1 schon wieder zu dem mir leider nur allzu bekannten Magengrimmen, so dass ich einen kurzen Augenblick an sofortige Aufgabe und Abbruch gedacht hatte.

Das wäre allerdings eine schwere Niederlage gewesen, zumal ich auch keinen Plan B in der Tasche hatte. Also Einkäufen gegangen, Desinfektions- und weitere Wundermittel und Schwämme gekauft, erstmal das gröbste weggeschrubbt (bzw. -gescheucht...) und versucht, Hari ein paar Ueberlebensnotwendigkeiten beizubringen. Dann ging's einigermaßen, zumindest habe ich keine Magenprobleme mehr gehabt.

Das Kochen selbst war aber nach guten Anfängen mit spicy Tigerprawns in Mint-garlic Masala doch ein wenig enttäuschend, weil Hari's Chickencurry nach Gulasch schmeckte, die Bandbreite seiner Gerichte so begrenzt war wie die Anzahl seiner Gäste und ich meinen Grundekel irgendwie doch nicht ganz abschütteln konnte. Trotzdem - ich muss wohl einfach noch ein wenig an meinen Arschlochqualitaeten arbeiten - habe ich die vorher meinerseits angekündigte Mindestverweildauer von 1 Woche durchgehalten. Dann aber war Schluss und ich habe mich zur Erholung selbst in eine Ayurvedaklinik eingewiesen, von wo ich mich hiermit und auch das nächste Mal wieder melde.

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